Grenznahe Schrottreaktoren abschalten

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Grenznahe Schrottreaktoren abschalten Simone Peter - simone-peter.eu - BÜNDNIS 90 DIE GRÜNEN
(BUP) Zu den sich häufenden Berichten über Sicherheitsdefizite grenznaher Atomkraftwerke erklärt die Bundesvorsitzende von Bündnis90/Die Grünen, Simone Peter:

Angesichts der wachsenden Gefahr durch überalterte grenznahe Atomkraftwerke braucht es dringend eine umfassende Neubewertung der Atomsicherheit in Europa. Grenznahe Pannenreaktoren wie Fessenheim, Cattenom, Tihange oder Doel müssen endlich vom Netz. Sie sind eine alltägliche Gefahr für die Menschen in der Region. Die Bundesregierung muss sich mit aller Macht dafür einsetzen, dass diese Meiler sofort abgeschaltet werden und diese Forderung zum Gegenstand eines EU-Atomgipfels machen.

Nicht erst die verheerenden Ergebnisse des EU-weiten Stresstests haben die großen Risiken des Weiterbetriebs dieser Atomkraftwerke dargelegt. Auch Hunderte von Stör- und Zwischenfälle und systematischen Mängel der Anlagen dokumentieren deren Gefährlichkeit. Die heute veröffentlichte Studie im Auftrag der grünen Bundestagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN unterstreicht diese Sicherheitsdefizite mit Blick auf den störanfälligen Reaktor in Cattenom.

Überalterung und permanente automatische Abschaltungen aufgrund von Störungen sind mit besonderen Sicherheitsrisiken verbunden. Aber auch Bedrohungen wie terroristische Angriffe müssen stärker in den Fokus genommen werden. Dazu bedarf es einer umfassenden Sicherheitsüberprüfung der Anlagen, die über den Stresstestumfang hinaus auch die Bausubstanz der Reaktorgebäude, die Gefahr von Flugzeugabstürzen, terroristische Aktivitäten, menschliches Versagen oder die Fachkompetenz der eingesetzten Leiharbeiter unter die Lupe nehmen. Außerdem fordern wir einen Bericht über den Stand der Umsetzung der Nachrüstungsverpflichtungen als Folge der EU-Stresstestergebnisse.

Der EU-weite Stresstest 2012 hatte als Konsequenz des Atomunfalls in Fukushima lediglich das Ziel, die Reaktionsmöglichkeiten der AKW und ihrer Betriebsmannschaft auf gleichzeitig eintretende Naturkatastrophen zu prüfen. Der deutsche Stresstestbeauftragte für das AKW Cattenom und technische Leiter der deutschen Atomaufsicht a.D., Dieter Majer, hatte mehrfach darauf hingewiesen, dass angesichts von Korrosion von wichtigen sicherheitstechnischen Einrichtungen sowie von fehlenden Brandschutz- und elektrischen Einrichtungen ein weiterer Betrieb von Cattenom nicht verantwortbar sei. Außerdem seien wichtige Unterlagen, Systembeschreibungen und Schaltpläne beim Stresstest nicht zur Verfügung gestellt worden.

Auch bei den anderen grenznahen Reaktoren, bei denen es immer wieder Störungen und Abschaltungen gibt und die tausende Risse aufweisen, darf es nicht sein, dass wir angesichts akuter Bedrohungen allein von den Atomaufsichten anderer Länder abhängig sind. Deshalb muss den Nachbarstaaten in Fragen der Atom-Sicherheit, auch das geplante französische Endlager in Bure betreffend, mehr Mitspracherecht gegeben werden.

Quelle: gruene.de

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