Radonkonzentration in sächsischen Schulgebäuden, insbesondere in ehemaligen Bergbaugebieten, teilweise deutlich über dem Referenzwert

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Radonkonzentration in sächsischen Schulgebäuden, insbesondere in ehemaligen Bergbaugebieten, teilweise deutlich über dem Referenzwert Petra Zais - gruene-fraktion-sachsen.de
(BUP) Zais: Panik ist fehl am Platz, dennoch sind die Daten besorgniserregend. Es ist notwendig, dass sowohl mit den Messverfahren als auch den Ergebnissen transparent umgegangen wird. Die Radonkonzentration in sächsischen Schulgebäuden, insbesondere in ehemaligen Bergbaugebieten, liegt zum Teil deutlich über dem Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m³), den das Strahlenschutzgesetz künftig für Arbeitsplätze und Aufenthaltsräume vorsieht. Das zeigen die Antworten von Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) auf eine Kleine Anfrage der Landtagsabgeordneten Petra Zais (GRÜNE).

2005 etwa wurde in der Diesterwegschule in Schneeberg ein Mittelwert von 3.700 Bq/m³ gemessen. Am "Glückauf"-Gymnasium in Dippoldiswalde wurde 2012 der Jahresmittelwert 2.900 Bq/m³ ermittelt, am Clara-Wieck-Gymnasium in Zwickau waren es 2016 2.200 Bq/m³. Im aktuellen Messprogramm für Schul- und Kindergartengebäude wiesen etwa die Hälfte der untersuchten Häuser im Erzgebirgskreis sowie in den Landkreisen Zwickau und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge erhöhte Werte auf – bis zum Sechsfachen des Referenzwertes.

"Panik ist sicher fehl am Platz. Dennoch sind die Antworten von Umweltminister Schmidt besorgniserregend. Ob echter Grenz- oder 'nur' Referenz-Wert: Die Zahlen muss man ernst nehmen. Die Kinder verbringen viele Stunden am Tag in der Schule. Dabei sollte es selbstverständlich sein, dass sie dabei keinen schädlichen Einflüssen ausgesetzt sind."

Die Auswirkungen einer hohen Radonkonzentration auf die Gesundheit sind in der Fachwelt umstritten. Allerdings gibt es Studien, die einen Zusammenhang zwischen einer hohen Radonkonzentration in Aufenthaltsräumen und verschiedenen Krebserkrankungen nahelegen. Faktoren, die dies beeinflussen, sind neben der konkreten Radonkonzentration die Bauart des betreffenden Gebäudes und das Lüftungsverhalten der Bewohner.

"Angesichts der teils deutlich erhöhten Werte ist es mit ein bisschen Lüften wohl nicht getan. Gerade in Keller- und Erdgeschossräumen, wo die Konzentration am höchsten ist, müssen bauliche Veränderungen vorgenommen werden. Ich fordere die öffentliche Hand, Land wie Kommunen, dazu auf, Kindergärten und Schulgebäude bei Sanierungen prioritär zu behandeln. Wenn Räume trotz solcher Maßnahmen dauerhaft eine erhöhte Radonkonzentration aufweisen, dürfen sie nicht länger für den Unterricht genutzt werden", fordert Zais.

Energieeffiziente technische Lösungen, die für ausreichend Luftwechsel sorgen, wären Lüftungssysteme mit Wärmetauscher. Die Kosten, etwa für Sporthallen, Keller und Erdgeschossräume, belaufen sich je nach Volumen und Anforderungen auf 15.000 bis 50.000 Euro.

"Ärgerlich ist die schlechte Informationspolitik von Land und Schulträgern. Das schürt Misstrauen und verunsichert Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern. Wie Umweltminister Schmidt ausführt, 'obliegt es dem Schulträger beziehungsweise der Gemeinde zu entscheiden, wer über die Messergebnisse informiert wird'. Das gilt aber nur für die Fälle, in denen der Schulträger die Messung veranlasst hat. Das aktuelle Messprogramm wird jedoch im Auftrag des Umweltministeriums durchgeführt und ausgewertet. Insofern hat man hier auch die Daten. Ich halte es für unabdingbar, dass transparent mit dem Messverfahren, aber auch mit den Ergebnissen umgegangen wird."

"Im konkreten Fall, an einem Gymnasium in Zwickau, wurden Messgeräte aufgestellt, ohne dass alle Betroffenen vorher darüber informiert worden waren. So gab es die explizite Anweisung, Schülerinnen und Schüler nicht zu informieren. Die Ergebnisse wurden nicht bekannt gemacht. Das halte ich für bedenklich."

Quelle: gruene-fraktion-sachsen.de

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