Oliver Kumbartzky zu TOP 35 „Situation der Schaf- und Ziegenhalter“

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Oliver Kumbartzky zu TOP 35 „Situation der Schaf- und Ziegenhalter“ Oliver Kumbartzky - FDP-Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag
(BUP) In seiner Rede zu TOP 35 (Situation der Schaf- und Ziegenhalter in Schleswig-Holstein) erklärt der landwirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Oliver Kumbartzky: „Schafe gehören zu Schleswig-Holstein wie die Deiche und das Meer. Die Schafe sind für den Küstenschutz unersetzlich. Mit ihrem ‚goldenen Tritt‘ festigen sie den Deich. Schafe sind aber auch für den Naturschutz und die Landschaftspflege unersetzlich. So steht es auch in dem Bericht, über den wir heute debattieren. Es gibt rund 200.000 Schafe in Schleswig-Holstein. Die Zahl der Schafhalter liegt konstant bei rund 1.100. Und 70 Prozent der Schafe stehen auf den Marschböden der Westküste.

Die Schafhalter leben einen Traditionsberuf. Sie arbeiten zur Lammzeit bis zu 20 Stunden am Tag. Sie nehmen keinen Urlaub aus Fürsorge um ihre Tiere. Und wenn überraschend Hochwasser kommt, riskieren sie häufig ihr Leben, um die Herde zu retten. Trotz ihres enormen persönlichen Einsatzes können sie auch mit den Prämien von der EU nur knapp ihre Kosten decken.
Die wirtschaftliche Situation der Halter ist angespannt. Vielen geht es schlecht – nicht zuletzt, weil Teile der Gesellschaft mitunter verächtlich auf die Landwirtschaft blicken. Das erleichtert nicht unbedingt, einen Betriebs-nachfolger zu finden. Es geht den Schafhaltern aber auch schlecht, weil der Verbraucher bei Lebensmitteln die allerhöchsten Standards erwartet, aber nur sehr wenige tatsächlich bereit sind, einen angemessenen Preis dafür zu zahlen. Und vielen Schafhaltern geht es auch schlecht, weil die enorm gestiegene Zahl an Gänsen den Schafen das Gras wegfrisst und – auch wenn einige das nicht hören wollen – weil sich der Wolf immer mehr ausbreitet. Schafe im Stall zu halten, ist wirtschaftlich nicht darstellbar und entspricht auch nicht der naturnahen Weidetierhaltung. Ein Einzäunen ist ebenfalls meist nicht möglich. Erst recht nicht auf den Deichen. Hütehunde sind teuer und gefährlich – auch für den Menschen.
Aber natürlich ist das Wirtschaften als Schäfer nicht erst seit der Wieder-kehr des Wolfs schwierig. Die Herdengrößen sind relativ klein, was die Kostendeckung und Wertschöpfung schwierig macht. Außerdem kaufen relativ wenige Bürgerinnen und Bürger Lammfleisch. Nur zu den Feiertagen an Weihnachten und Ostern steigt der Absatz. Und dann sorgen die enormen Importmengen aus Neuseeland und Großbritannien, wo weitaus größere Schafherden gehalten werden, für relativ niedrige Preise. Die Schäfer können sich nicht allein über den Verkauf ihrer Produkte finanzieren. Die Schafe erfüllen aber wichtige Funktionen für den Natur- und Küstenschutz und damit für die Gesellschaft. Deswegen ist es geboten, dass man die Schäfer unterstützt. Hier halten wir eine Fortsetzung der Flächenprämie und die flächengebundene Förderung aus der zweiten Säule für sinnvoll. Man kann überlegen, diese flächenbezogenen Programme anzupassen.

Die von der SPD geforderte Weidetierprämie einzuführen, halten wir für wenig sinnvoll. Denn das wäre ein Rückschritt für die Agrarpolitik. Mit Kopfprämien schafft man Anreize zur Überproduktion. Man endete damals bei Milchseen und Butterbergen. Wir bekennen uns zu der Entkopplung der EU-Direktzahlungen von der Produktion, die 2003 erfolgreich vollzogen wurde. Wir sehen die Stärkung der entkoppelten flächenbezogenen Prämien und die flächenbezogene Förderung als die bessere Option für die Schaf- und Ziegenhalter in Schleswig-Holstein.

Um das alles weiter zu diskutieren, stimmen wir für die Ausschussüberweisung des Berichts.“

Quelle: FDP- Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag

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