Das Berliner Start-up vermittelt vor allem mittelständischen Kunden den besten Verpackungslieferanten.

Das Berliner Start-up vermittelt vor allem mittelständischen Kunden den besten Verpackungslieferanten.
Berlin, München Noch bevor der digitale Marktplatz offiziell eröffnet war, gingen bei Packmatic die ersten Anfragen ein. „Wir sind von Kunden förmlich überrannt worden“, sagt Mitgründer Jonas Boland.
Das Berliner Start-up hat einen Marktplatz für Produktverpackungen entwickelt. Der Moment ist günstig: Viele Produkthersteller suchen neue Verpackungslösungen, weil das Thema Nachhaltigkeit angesichts der Diskussionen um Klimawandel und Plastik in den Meeren immer wichtiger wird.
Gleichzeitig ist die Verpackungsindustrie teilweise noch vergleichsweise wenig digitalisiert und oft mittelständisch organisiert. Den perfekten Partner zu finden ist da gerade für kleine und mittelgroße Unternehmen schwierig.
Daher rechnet Packmatic bereits in diesem Jahr mit einstelligen und für 2022 mit zweistelligen Millionenumsätzen. Auch Investoren konnten von dem Geschäftsmodell überzeugt werden. HV Capital und eine Reihe von Business Angels, darunter die Zalando-Gründer, investierten in einer Seed-Runde jetzt einen mittleren einstelligen Millionenbetrag in das junge Unternehmen.
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Über den digitalen Marktplatz sollen Kunden, die einen Verpackungsanbieter suchen, die besten Lieferanten und die günstigsten Preise finden. Bei der Ausschreibung helfen Verpackungsingenieure von Packmatic, die zum Beispiel beraten, welches Material infrage kommt und wie es noch nachhaltiger produziert werden kann. Gelingt die Vermittlung, kassiert das Start-up eine Provision.
Vermittelt wurde zuletzt zum Beispiel einem Tierfutterhersteller ein Verpackungsanbieter. Die Beutel mit der Hunde- und Katzennahrung können nun recycelt werden, zudem schlug der Packmatic-Berater ein neues Verschlusssystem vor, das dann auch umgesetzt wurde.
Das Thema Verpackung hat für Konsumgüterhersteller in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. „Die Marken stehen enorm unter Druck, den Plastikanteil zu reduzieren und auf recycelbare Verpackungslösungen zu setzen“, sagt Mitgründer Matthias Geiss.
Bei der jüngsten Erhebung im vergangenen Herbst verzeichnete das Umweltbundesamt für Deutschland mit 18,9 Millionen Tonnen Verpackungsabfall für das Jahr 2018 einen neuen Höchstwert. Auf Kunststoffverpackungen entfielen 2,8 Millionen Tonnen – auch das ist ein neuer Negativrekord. Laut einer Studie der Organisation Worldwatchers werden für ein Kilogramm Kunststoffverpackung zwei Kilogramm CO2 ausgestoßen. „Grundsätzlich ist es zu begrüßen, wenn der durch Produktverpackung verursachte Bedarf an Ressourcen und damit auch verursachte CO2-Emissionen so gering wie möglich gehalten werden“, sagte Dieter Niewierra von der Unternehmensberatung Climate Partner dem Handelsblatt.
Unternehmen wie Everdrop und Future Stories setzen daher auf möglichst verpackungsfreie Putz- und Hygieneartikel. Sie bieten zum Beispiel Tabs an, die die Kunden zu Hause mit Wasser zu einer Handseife mischen können.
Andere Unternehmen setzen verstärkt auf Verpackungen aus recycelten und biologisch abbaubaren Kunststoffen. Der Trend geht zudem wieder stärker in Richtung Papierverpackungen.
Die deutsche Verpackungsindustrie kam laut Statistischem Bundesamt zuletzt auf mehr als 25 Milliarden Euro Umsatz. Europaweit dürften es laut Branchenschätzungen mehr als 100 Milliarden Euro sein. „Das ist ein Riesenmarkt, der aber sehr intransparent ist“, sagt Geiss. Gerade viele Mittelständler kauften ihre Verpackungen schon über Jahre bei den gleichen Anbietern, oft in ihrer Region – ohne einen Überblick zu haben, ob es bessere oder günstigere Lösungen gibt.
Selbst bei Mittelständlern, die schon ein Grund-Set-up für Verpackungsmanagement hätten – und die zum Beispiel einen Verpackungsingenieur und Einkäufer haben –, könne Packmatic dank des größeren Netzwerks und des umfassenderen Überblicks bessere Resultate erzielen. Allein in Europa gebe es zum Beispiel für Folien mehr als 600 mittelständische Anbieter.
Daher sei es nur eine Frage der Zeit, bis auch hier ein großer Teil des Neugeschäfts über digitale Marktplätze abgewickelt werde. Die Frage ist nur, wer die zentrale Plattform betreiben wird. „Unsere Chancen sind gut“, ist Boland überzeugt. Packmatic habe einen zeitlichen Vorsprung. Einen vergleichbaren Konkurrenten, der auch einen beratenden Ansatz habe, gebe es am Markt bislang nicht. „Wir müssen jetzt das Tempo hoch halten“, sagt Boland.
Die Investoren sind zuversichtlich. Der europäische Verpackungsmarkt sei „eines der größten, quasi noch komplett undigitalisierten B2B-Segmente mit sehr guten Voraussetzungen für einen Plattformansatz“, sagt David Fischer von HV Capital.
Rund 60 Lieferanten hat Packmatic bislang in seinem Netzwerk. Bis Ende des Jahres sollen es 100, ein Jahr später dreimal so viele sein.
Mehr: Everdrop will Putzmittel ohne Verpackung aus der Nische herausführen
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