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Normalerweise schwirren sie zu Dutzenden um eine einzige Zuckerschnecke, die beim Bäcker liegt. Drei weitere Dutzend sind auf den Mettbrötchen zu finden und der Rest brummt zielstrebig zu den Balkonen der Menschen, sobald sie in den noch warmen Sonnenstrahlen sonntags ihr Frühstück dort genießen wollen.
Letztes Jahr war das der Normalzustand. Nur dieses Jahr bleibt das Phänomen der ewig mit den Armen um sich schlagenden Menschen weitgehend aus. Grund: Es gibt kaum Wespen.
Warum? „Das kann unterschiedliche Gründe haben“, sagt Florian Lauer zu BILD.
Der Experte für Insektenschutz vom WWF erläutert im wesentlich zwei Möglichkeiten: „Zunächst mal der längere und kalte Winter. Dieser kann dazu geführt haben, dass mehr Wespenköniginnen als in den Vorjahren erfroren sind.“
„Anschließend hatten wir einen recht kalten und feuchten Frühling dies fördert die Schimmelbildung und kann bei den Königinnen und den frischen Nestern zu einer Verpilzung führen. Mit jeder Königin, die im Winter oder Frühjahr gestorben ist, entfällt im Spätsommer und Herbst ein ganzer Staat der oftmals mehreren 1000 Individuen bei der Gemeinen und der Deutschen Wespe“, so Lauer weiter.
Feste wissenschaftliche Daten gibt es dazu allerdings nicht, deswegen ist es gut möglich, dass es noch weitere Gründe für die geringen Mengen an Wespen gibt.
Die meisten Menschen freuen sich darüber. Aber freut es auch die Natur?
Florian Lauer: „Die Natur freut dies nicht. Jede Art hat ihre Aufgabe. Sie müssen die unterschiedlichen Arten in der Natur als Spinnennetz sehen. Sie sind über viele sogenannte Interaktionen miteinander verbunden. Ist eine Art geschwächt oder fehlt diese sogar ganz, ist das Netz geschwächt. Fehlen zu viele kann es sogar zusammenbrechen. Dies hat dann auch negative Auswirkungen auf den Menschen.“
Dürfen wir Wespen also nicht nur als Plagegeister sehen?
„Für die Natur ist ein solcher Rückgang eher schädlich, da die Wespen eine Art Putzkolonne und Schädlingsbekämpfer sind“, erklärt Lauer weiter. „Ein großer Staat kann binnen einer Woche mehrere Kilogramm Insekten erbeuten. Unter diesen oftmals sogenannte Schädlinge wie Blattläuse, Mücken und Wanzen. Neben dieser Aufgabe sind Wespen aber auch einfach wichtiges Futter für eine Vielzahl an anderen Tieren darunter viele Vogelarten.“
Doch wer jetzt Hoffnung hat, dass es auch im nächsten Jahr so wenig brummt und schwirrt, der wird enttäuscht.
Lauer erklärt: „Wespen können bedingte Schwankungen in der Populationsgröße leicht durch ihre hohe Anzahl an Nachkommen (auch der Geschlechtstiere) puffern. Das heißt Wespen haben sich daran angepasst, hohe Verluste zu erleiden, die sie dann mit vielen Nachkommen wieder ausgleichen. Nur kommen auch Wespen und andere Insekten durch den Verlust von Lebensräumen, Insektiziden und vielen anderen Faktoren an ihre Grenzen. Wir müssen beginnen, die Insekten umfassender zu schützen, sonst droht das ganze Spinnennetz zu zerreißen und mit diesem auch unsere Lebensgrundlage.“
Das ist doch der beste Grund, die schwarz-gelben Wurst- und Marmelade-Diebe wohlwollender zu ertragen.