Gastfreundschaft ist eine Aufgabe des Dialogs, eine Verpflichtung, dem anderen ein Obdach zu geben, „jetzt unseren Teil zu tun und es gemeinsam zu tun": So fasst Cecilia Dall’Oglio, Vize- Leiterin der europäischen Programme der Bewegung Laudato si‘, das Wesen der Schöpfungszeit 2021 zusammen. An diesen Gedenkwochen nehmen Gläubige aller christlichen Konfessionen jedes Jahr teil.
Cecilia Dall’Oglio ist Italienerin und die Schwester des Jesuiten Paolo Dall’Oglio, der 2013 in Syrien entführt wurde. So erinnert denn auch Cecilia Dall’Oglio an das Leben, die Glaubenserfahrung und den Einsatz ihres Bruders zur Wiederbelebung des Klosters Mar Musa in Syrien. Von Paolo fehlt selbst fehlt seit acht Jahren jede Spur.
Vom morgigen 1. September, dem Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung, bis zum 4. Oktober, dem Fest des heiligen Franz von Assisi, mobilisieren sich die Gläubigen in aller Welt, um ihre Beziehung zum Schöpfer und zur gesamten Schöpfung durch Feiern, Umkehr und tatkräftiges Engagement zu erneuern. Das diesjährige Thema lautet: „Ein Zuhause für alle? Den Oikos Gottes erneuern". Als zentrales Symbol bei der diesjährigen Schöpfungszeit wurde nicht zufällig das Zelt Abrahams gewählt.
„Ich glaube, mein Bruder Paolo wäre sehr glücklich, wenn er so viele Abrahamszelte in allen Gemeinschaften der Welt, an den symbolischen Orten aller Kontinente, sehen würde, so viele Verpflichtungserklärungen von Christen, um ein Haus für alle zu bauen“, so Cecilia Dall’Oglio.
Es gehe darum, „den Oikos Gottes zu erneuern, damit die Gastfreundschaft, die das Charisma, eine der Säulen der Gemeinschaft von Mar Musa ist, für uns alle eine Linie ist, auf der wir uns bewegen können: Gastfreundschaft bedeutet auch, Platz zu machen, anderen die Hand zu reichen".
Was aber bedeutet es, „Gottes Oikos‘ zu erneuern“? Cecilia Dall’Oglio zufolge geht es darum sich klar zu machen, „dass die Erde dem Herrn gehört, wie alles auf ihr. Diese Erde, dieses gemeinsame Haus, wie Papst Franziskus es in Laudato si‘ nennt, dieser Oikos besteht aus Beziehungen: Wir wissen, dass der Schöpfer dem Menschen eine besondere Berufung gegeben hat, sich um sein Haus zu kümmern, deshalb sind wir gemeinsam aufgerufen, uns für gerechte ökologische, soziale, wirtschaftliche und politische Beziehungen einzusetzen".
Christina Leaño, stellvertretende Direktorin und Mitbegründerin der Laudato si‘-Bewegung, weist auch darauf hin, dass Christen auf der ganzen Welt die Zeit der Schöpfung bewusst miteinander teilen. „In den vergangenen sieben Jahren haben wir eng mit ökumenischen Partnern zusammengearbeitet, mit dem Ökumenischen Rat der Kirchen, mit Vertretern der orthodoxen Gemeinschaft, der anglikanischen Kirche, Lutheranern und anderen, um uns in der Nachfolge Christi in der Sorge um unseren Planeten zu vereinen", sagt sie. Das Ergebnis war eine noch stärkere ökumenische Ausrichtung, auch mit gemeinsamen Aktionen. Christina Leaño nennt „Pilgerreisen entlang lokaler Flüsse in Kanada bis hin zu religiösen Gemeinden, die sich für eine Verringerung des Fleischkonsums einsetzen", sie erzählt von jungen Menschen in mehreren Erdteilen, die sich an Klimamobilisierungen beteiligten, und sie nennt die Aufnahme von Schöpfungsfragen „in die Sonntagsliturgien in Lateinamerika".
Zu den Initiativen der Schöpfungszeit 2021 gehört „Ein Zelt für alle": der Vorschlag, Zelte an symbolischen Orten aufzustellen. Der italienische katholische Pfadfinderverband Agesci schritt mit gutem Beispiel voran und stellte in Assisi ein Zelt auf der Piazza Santa Chiara auf. Die Präsidentin der italienischen Pfadfinderverbände, Barbara Battilana, erinnert daran, dass in der Basilika selbst das Kruzifix von San Damiano aufbewahrt wird, vor dem Franz von Assisi betete, als er die Bitte des Herrn empfing, sein Haus wieder zu errichten. Die Pfadfinder sehen in diesem Symbol „einen ständigen Bezugspunkt, um überall Zelte aufschlagen zu können und die Botschaft weiterzugeben, dass wir uns um unser gemeinsames Haus kümmern, nicht isoliert und als Einzelunternehmer, sondern als Gemeinschaft".
„Das Zelt ist nach allen Seiten hin offen… denn nur im Dialog mit allen, auch mit den Nicht-Glaubenden, kann es uns gelingen, ein gemeinsames Haus mit anderen Religionen zu bauen“
Cecilia Dall’Oglio schlägt den Bogen noch weiter: „Das Zelt Abrahams erinnert uns auch daran, dass der Herr sein Zelt in unserer Mitte aufgeschlagen hat. Verwurzelt im Glauben Abrahams, gehen wir durch Schwierigkeiten und wissen, wie wir eine Vision der Hoffnung haben können, die uns als Christen auszeichnet. Das Zelt ist nach allen Seiten hin offen, denn es ist ein Raum für den Dialog, und nur im Dialog mit allen, auch mit den Nicht-Glaubenden, kann es uns gelingen, ein gemeinsames Haus mit anderen Religionen zu bauen. Es ist auch das Symbol für das Wesentliche, für Leichtigkeit, für einen Fußabdruck auf dem Boden, der keine schweren ökologischen Spuren für künftige Generationen hinterlässt. Das Zelt erinnert uns aber auch an jene, die kein Dach über dem Kopf haben, es erinnert uns an Flüchtlinge, wir denken an unsere syrischen Brüder und Schwestern, die seit zehn Jahren in Flüchtlingslagern leben, zum Beispiel im Libanon." Auf diese Weise kommt die Schöpfungszeit in Berührung mit dem Welttag der Migranten und Flüchtlinge am 26. September.
(vatican news – gs)
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