Energiepolitik / Höfken: „Kühlturm-Abriss am AKW Mülheim-Kärlich ist Zäsur für Energiepolitik des Landes“

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Energiepolitik / Höfken: „Kühlturm-Abriss am AKW Mülheim-Kärlich ist Zäsur für Energiepolitik des Landes“ Ulrike Höfken - mulewf.rlp.de - MULEWF - Kerstin Bänch
(BUP) „Mit dem Kühlturmabriss am Atomkraftwerk Mülheim-Kärlich im Herbst dieses Jahres wird die Energiewende in Rheinland-Pfalz buchstäblich sichtbar. Dieses Ereignis ist eine Zäsur für die Energiepolitik des Landes“, erklärte Energieministerin Ulrike Höfken heute während der Info-Schiffstour unter dem Motto „Aufbruch in die Energiezukunft. Der sichere und zügige Rückbau des AKW mit rund 500.000 Tonnen Abbaumasse ist eine Herkulesaufgabe“, so Höfken. Mit dem Abriss des Kühlturms verschwinde das weithin sichtbare Symbol für die gefährliche Atomenergie. „Diesen Meilenstein haben wir vor allem Bürgerinnen und Bürgern vor Ort, Kommunen, Umweltverbänden und Vertreterinnen und Vertretern der Bundes- und Landespolitik zu verdanken, die sich mit großem Engagement gegen den Betrieb des AKW eingesetzt haben“, sagte die Ministerin. Höfken hob den Einsatz der Stadt Neuwied und der Bürgerinitiativen gegen das AKW Mülheim-Kärlich hervor und bedankte sich bei den Gastrednern, dem ehemaligen Oberbürgermeister der Stadt Neuwied, Manfred Scherrer, der Sprecherin der Bürgerinitiativen und Vorsitzenden der Bendorfer Umweltinitiative, Elke Sodemann-Müller sowie bei Bundesumweltminister a.D. Jürgen Trittin.

Trittin erinnerte an die besondere Rolle von Mülheim-Kärlich: „Hier am Rhein - zwischen Ahr und Mosel - begann der Ausstieg Deutschlands aus der Atomenergie greifbar zu werden. Noch vor der Stilllegung von Stade und Obrigheim wurde entschieden, dass das AKW Mülheim-Kärlich endgültig vom Netz genommen wird. Das war das erste greifbare Ergebnis des Atomkonsenses.“ Des Weiteren machte er klar, dass die Energiewende weg von Atom und Kohlestrom weitergehen müsse: „Global ist heute die Referenzgröße für die Kosten einer Kilowattstunde nicht mehr ein Gaskraftwerk sondern eine Windturbine. Deshalb boomen weltweit Erneuerbare. Und deshalb hat global Atomkraft keine Zukunft mehr.“

Welche Gefahr von Atomkraftwerken ausgehe, zeige auch eines von mittlerweile mehr als 800 meldepflichtigen Ereignissen im grenznahen AKW Cattenom, sagte Höfken. So sei gerade erst letzte Woche ein Arbeiter durch radioaktiven Staub kontaminiert worden. „Wir stehen für eine sichere und umweltfreundliche Energieversorgung ein. Daher werden wir uns auch weiterhin für die Abschaltung der grenznahen Pannenreaktoren Cattenom und Tihange einsetzen“, betonte Höfken.

„Mit einem Anteil von etwa 47 Prozent an der Bruttostromerzeugung im Jahr 2016 ist Strom aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse bereits heute eine wichtige Säule der rheinland-pfälzischen Energieversorgung“, führte die Ministerin an. Den größten Anteil daran hat die Windenergie. Rheinland-Pfalz unterstütze den weiteren Ausbau der Windkraft unter Berücksichtigung des Natur- und Artenschutzes. „Energieerzeugung ist ohne Eingriffe in die Natur nicht möglich. Aber wir müssen den regenerativen Energien gegenüberstellen, welche Eingriffe und Gefahren Atomkraftwerke oder fossile Energieträger für Menschen und Umwelt verursachen. Hier möchte ich meinen Dank an alle aussprechen, die in dieser Abwägung heute bereit sind, die Beeinträchtigungen durch erneuerbare Energien mitzutragen, Investitionen zu tätigen und für Innovationen offen zu sein“, sagte Höfken. In Zukunft gelte es, neue Wege bei der Energieversorgung zu gehen und dabei die digitalen Möglichkeiten zu nutzen, um die Sektoren Mobilität, Wärme- und Stromversorgung zu vernetzen.

Die Energiewende biete nicht nur Vorteile für die Umwelt und den Klimaschutz sondern auch ökonomische Chancen für ländlich geprägte Regionen im Land. „Rund 10.000 Menschen fanden durch den Ausbau der erneuerbaren Energien in Rheinland-Pfalz im Jahr 2015 Beschäftigung. Das alles zeigt: Die Zukunft gehört den regenerativen Energien“, erläuterte die Ministerin. Daher werde sich Rheinland-Pfalz beim Bund auch weiterhin für Verbesserungen beim Erneuerbaren-Energien-Gesetz starkmachen.

Zum Hintergrund des AKW Mülheim-Kärlich:
RWE hat das AKW Mülheim-Kärlich mit Urteilsverkündung des Bundesveraltungsgerichts am 9. September 1988 nach rechnerisch 13 Monaten Volllastbetrieb abgeschaltet. Grund dafür: Das AKW Mülheim-Kärlich wurde anders gebaut als genehmigt – die  von den Gerichten gesehenen Ermittlungs- und Bewertungsdefizite hinsichtlich Erdbebenrisiken führten zur Aufhebung der ersten Teilgenehmigung. Mit Erteilung der ersten Abbaugenehmigung im Juli 2004 durch das Umweltministerium begann die Betreiberin mit dem Rückbau des Atomkraftwerks. Seitdem wird der Abbau vom jeweils für die Atomaufsicht zuständigen Ministerium des Landes vorangetrieben, insbesondere zwischen 2011 und 2015 wurde mit der Erteilung von vier atomrechtlichen Genehmigungen die Grundlage für den Abbau bis zur „grünen Wiese“ gelegt. Die wichtigste Abbauphase des nuklearen Rückbaus begann mit der Demontage der Rohrleitungen rund um den Reaktordruckbehälter bereits im vergangenen Jahr. Der Abriss des Kühlturms sollte ursprünglich im Mai dieses Jahres beginnen. Der Starttermin wurde jedoch von der RWE Power AG auf zunächst August und nun auf voraussichtlich Oktober 2017 verschoben.
 
Quelle: mueef.rlp.de

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