Waldwege – ein ökologischer Glücksfall

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Waldwege – ein ökologischer Glücksfall pixabay.com
(BUP) Thüringens Forstwege sind nicht nur Arbeitsplatz für Förster und Erholungsort für Wanderer, sondern auch ein ökologisches Netz für licht- und wärmeliebende Tier- und Pflanzenarten, gerade im anstehenden Frühjahr. Rund 5.000 Kilometer umfasst das Forstwegenetz der ThüringenForst-AöR, mit 200.000 Hektar flächengrößter Waldeigentümer im Freistaat. Zur Unterhaltung, Instandsetzung und den Neu- u. Ausbau sowie der Laufendhaltung der digitalen Wegedaten dieses Netzes gibt die Landesforstanstalt pro Jahr etwa acht bis neun Millionen Euro aus. Neben der primär waldwirtschaftlichen Funktion nutzen auch Wanderer, Reiter, Kutsch-, Rad- und Skifahrer diese Infrastruktur zur Erholung oder Sportausübung. Das Thüringens Forstwege aber auch eine herausragende ökologische Funktion haben und unmittelbar zur biologischen Vielfalt im Wald beitragen, ist bei den Wegenutzern vielfach weitgehend unbekannt.

Forstwege werden ausschließlich mit Naturstoffen gebaut
„Der Forstwegebau, ausschließlich mit örtlichen Naturstoffen und ohne Flächenversiegelung sowie ohne chemische Bindemittel, ist Grundlage für seine positiven ökologischen Wirkungen“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Das Öko-Forstwegenetz ist Teil einer naturnahen Forstwirtschaft, die durch weitgehenden Verzicht auf Kahlschläge, Düngereinsatz und Pflanzenschutzmittel gekennzeichnet ist und zu der sich ThüringenForst ausdrücklich bekennt. Werden Forstwege im Rahmen von Holzerntemaßnahmen in Mitleidenschaft gezogen, erfolgt, soweit eine geeignete Witterung herrscht, umgehend eine Instandsetzung. Mit dem Öko-Forstwegenetz wird damit ein vorbildlicher Trink- und Hochwasserschutz im Wald gewährleistet. Das Forstwegenetz außerhalb stillgelegter Waldflächen, das mit sog. Rückegassen verfeinert wird,  stellt außerdem sicher, dass mindestens 85 % der Waldböden der Landesforstanstalt, also über 170.000 von 200.000 Hektar, überhaupt nicht mit Forstmaschinen befahren werden.

Bestimmte Tier- und Pflanzenarten brauchen mehr Licht, Wärme und Wasser
Wegetrassen, insbesondere aber Wegeränder bieten durch die linienartige Öffnung des Kronendaches ein mehr an Licht, Wärme und bessere Wasserversorgung, was die Wuchsbedingungen für bestimmte Arten verbessert. Dies kommt auf basenreichen Standorten speziell Waldorchideen zu Gute, auf basenarmen Standorten verschiedenen seltenen Farnen. Wegetrassen an den Südhängen der Thüringer Mittelgebirge zeigen an den trockenen, oft ausgehagerten Böschungen wärmeliebende Saumgesellschaften bis hin zu Heidevegetation. Solche Biotope sind vielfach auch Nahrungs- und Fortpflanzungsstätten geschützter Tierarten wie Wildbiene, Waldeidechse oder Schlingnatter. In den Rinnen am Rand der Wege, wo eine bessere Nährstoff- und Wasserversorgung gegeben ist, können sich Wasserdost, Wald-Engelwurz oder verschiedene Distelarten einfinden. Diese wiederum sind Anziehungspunkt für Schmetterlinge, Schwebfliegen, Bockkäfer oder andere Insektenarten. Da Wegetrassen wie Waldinnenränder wirken, bilden sie nicht nur Lebensraum, sondern oft auch Wanderkorridor, etwa für Fledermäuse und Falter.

Forstwege sind multifunktionelle Wunderwerke
Die Multifunktionalität von Forstwegen, so wie die Landesforstanstalt sie anstrebt, setzt ein notwendiges Verständnis der technisch-ökologischen Zusammenhänge bei all jenen voraus, die sie nutzen. Hier sieht Gebhardt noch Aufklärungsbedarf für die nächsten Jahre. Denn sollte die Umsetzung des Prinzips der Multifunktionalität der Forstwege an den speziellen Ansprüchen einzelner Nutzergruppen scheitern, so verliert zum einen die Natur, zum anderen würde das bisherige Modell einer kostenfreien Nutzung der Waldwegeinfrastruktur im Thüringer Staatswald in Frage gestellt werden.

Quelle: thueringenforst.de

2 Kommentare

  • Silvia Roelcke

    Man reibt sich die Augen. Man liest zweimal. "Forstwege sind multifunktionelle Wunderwerke" "ein ökologischer Glücksfall" - dass dies erst 2017 "entdeckt" wird, ist auch ein "Wunder"! ;) Die Abteilungen für Öffentlichkeitsarbeit der Forstverwaltungen haben endlich ein neues, schlagkräftiges Argument GEGEN Kritik am Ausbau des Forstwege/Forststraßen-Netzes gefunden! Würde mich nicht wundern, wenn Botanik-Prof. i.R. Ernst-Detlef Schulze dabei mitgewirkt hätte. Er wurde nämlich wegen des starken Ausbaus des Waldwege/ -straßennetzes in seinen thüringer Wäldern bereits stark kritisiert. (Prof. Schulze ist bekannt dafür, dass er den Forst&Holz-Interessengruppen gerne Argumente gegen mehr Naturschutz im Wald liefert - und seien diese Argumente noch so hahnebüchen) Die armen Natur-Wälder, die noch ohne multifunktionale Glücksfall-Wunderwerke vor sich hin vegetieren müssen, können einem wirklich leid tun ;) Aber Spaß beiseite. Die Meldung kommt von ThüringenForst, und ThüringenForst wehrt sich gerade vehement gegen mehr Wälder ohne forstliche Nutzung in Thüringen, wie eigentlich von der Nationalen Biodiversitätsstrategie und vom thüringer Koalitionsvertrag gefordert. Zur Zeit läuft daher auch eine Petition für einen Possen-Wald ohne Harvester und Säge (Unterzeichner willkommen! Infos unter wildnisindeutschland [punkt] de [slash] possen [slash]), und ThüringenForst und das Forstministerium wehren sich dagegen mit aller Kraft. Die Forst&Holz-Interessengruppen sind übrigens bekannt für ihre "interessanten" Argumentationen, mit denen schon seit Jahren versucht wird, die Forderung nach mehr Naturschutz in Deutschlands Wäldern zu verhindern. Kommentar von Karl-Friedrich Weber, dem waldpolitischen Sprecher des BUND Niedersachsen auf seiner Facebook-Seite "Waldwahrheit" zur Waldwege-Glücksfall-Meldung: "Waldwege sind kein ökologischer Glücksfall. Die verbogenen Begründungen, um die in Wirtschaftswäldern unvermeidbare Wege-Infrastruktur in einem ökologisch geschönten Licht erstrahlen zu lassen, führen zu weniger und nicht mehr Akzeptanz. Ökologische Glücksfälle durch menschliche Eingriffe in Waldökosysteme gibt es nur aus einer interessengebundenen Sicht. Wegetrassen können teilweise zu vorübergehenden Lichträumen für bestimmte Tiere und Pflanzen, aber auch zu Trennwirkungen für viele Arten führen und haben oft eine negative Entwässerungsfunktion für Waldstandorte. Im Zuge von Unterhaltungsmaßnahmen wird häufig kontaminiertes Wegebaumaterial vom Planum und aus den seitlichen Spitzgräben mittels Baggern auf angrenzenden Waldböden abgelegt, was oft einen Verstoß gegen die Bundesabfall-Verordnung darstellt, der kaum geahndet wird.
    Die Öffentlichkeit sieht in ihrer wachsenden Sensibilität und Sachkunde in Sachen Wälder genauer hin und bildet sich ein eigenes Urteil.
    Orchideen und Tagfalter am intakten Innensaum eines Waldweges erhöhen die Artenvielfalt eines Lebensraumes. Ob und inwieweit Wegeinnenränder positiv zu beurteilen sind, richtet sich jedoch stets nach dem Einzelfall. Waldorchideen bedürfen in tatsächlich naturnah bewirtschafteten ungleichaltrigen und strukturreichen Wäldern ebensowenig der Hilfe von Forststraßen, wie Bergmolche die Hilfe der Fahrspuren von Harvestern und Forwardern zu ihrer Reproduktion. - Karl-Friedrich Weber"

    Silvia Roelcke Samstag, 25. Februar 2017 12:58 Kommentar-Link
  • Karl-Friedrich Weber

    Leider wird bei dieser Darstellung das Erfordernis von Forstwegen im Rahmen einer forstwirtschaftlichen Nutzung von Wäldern einmal mehr u.a. mit ökologischen Argumenten begründet, die sich in der Praxis ganz überwiegend nicht abbilden. Spätestens im Rahmen der maschinellen Wegeunterhaltungen werden in aller Regel Eingriffe in die Innensäume und Wegebankette vorgenommen, die einer langfristig wirkenden Innensaumzerstörung gleichzusetzen ist. Eine Argumentation sollte immer glaubwürdig bleiben, auch in Bezug auf möglicherweise unvermeidbare negative Eingriffe in Waldökosysteme.

    Karl-Friedrich Weber Samstag, 25. Februar 2017 10:09 Kommentar-Link

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