Agrarminister Meyer: Verbot von Reserveantibiotika in der Massentierhaltung prüfen / Neue Statistik vorgelegt - „Antibiotika-Mengen weiter viel zu hoch"

(BUP) Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer begrüßt den leichten Rückgang der in Tierställen in Deutschland eingesetzten Antibiotika. Nach Meyers Worten zeigt eine aktuelle Statistik, „dass die politische und gesellschaftliche Debatte um resistente Keime, die verstärkte Beratung und das anstehende Tierarzneimittel-Gesetz zu einer erhöhten Sensibilisierung von Landwirten und Tierärzten beigetragen hat". Zugleich betonte er: „Das reicht leider noch nicht aus." Die Antibiotika-Mengen seien weiter viel zu hoch. „Mit den rigideren Maßnahmen im neuen Antibiotika-Minimierungsgesetz halte ich die von Niedersachsen angestrebte Halbierung des Antibiotika-Einsatzes in der Massentierhaltung binnen fünf Jahren erreichbar."

Eine neue Statistik des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zu Antibiotika-Abgabemengen an Tiere in Deutschland zeigt, dass der Einsatz der Medikamente voriges Jahr im Vergleich zu 2012 um etwa 160 Tonnen auf 1452 Tonnen zurückgegangen ist. Davon dürften geschätzt rund 580 Tonnen nach Niedersachsen geliefert worden sein. Rund 40 Prozent aller an Tierärzte in Deutschland vertriebenen Antibiotika sind in den Massentierhaltungs-Regionen in Niedersachsen gelandet. Zuvor lag der Anteil bei 43 Prozent. Die meisten Tierarzneimittel gingen wiederum in den Postleitzahlbereich „49". Dazu gehören unter anderem die Landkreise Emsland, Cloppenburg, Osnabrück und Vechta - allesamt Regionen, in denen besonders viele Schweine, Puten und Hühner gehalten werden.

Sehr besorgt zeigte sich Niedersachsens Landwirtschaftsminister indes über den Anstieg der Antibiotikamengen bei bestimmten Wirkstoffgruppen, die als Reserveantibiotika für die Humanmedizin eine riesige Bedeutung haben. „Ich bin dafür zu prüfen, ob diese Wirkstoffe für die Humanmedizin reserviert werden sollten", so der Minister. „Diese Antibiotika der dritten und vierten Generation werden nämlich eingesetzt, wenn die üblichen Antibiotika nicht mehr wirken. Der Schutz der Menschen muss absolute Priorität haben. Daher sollte man in Betracht ziehen, Reserveantibiotika für den Einsatz in der Massentierhaltung zu verbieten - umso mehr, wenn sie lediglich schlechte Haltungsbedingungen kaschieren sollen." Meyer forderte „mehr Transparenz über die Vertriebswege von Antibiotika. Dazu gehört die zentrale Erfassung von Meldungen zu Antibiotika-Abgaben von pharmazeutischen Unternehmen über Großhändler bis hin zu Tierarztpraxen - und zwar unter Nennung der tierärztlichen Hausapotheken."
     
Klaus Jongebloed
Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
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